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Rückblick auf die dritte Jewish Remembrance Week im LK Görlitz

Vom 22.06.2026 zum 28.06.2026 fand die dritte Jewish Remembrance Week Görlitz statt. Vor allem durch die Arbeit der Historikerin Lauren Leiderman wurde es möglich, dass diesmal über 140 Nachfahr*innen von Jüdinnen*Juden, die einst in der Region lebten, aus der ganzen Welt nach Görlitz kommen konnten. Mit ihrem Besuch kehrten sie an den Ort zurück, der ihren Vorfahr*innen einst Heimat gewesen ist und erfüllten die Erinnerung an sie für alle Menschen in Görlitz mit Leben. Leiderman hat darüber hinaus im gesamten Landkreis verschiedenen Anstoß gegeben, die Geschichten weiterer bisher vergessener früherer jüdischer Bewohner*innen der Region zu erinnern. Im Rahmen der Gedenkwoche wurden in drei Städten des Landkreises Görlitz Stolpersteine verlegt, Veranstaltungen durchgeführt und Ausstellungen eröffnet. Den Anfang machte Niesky, wo erstmals Stolpersteine verlegt wurden. Dazu wurde eine Ausstellung zu jüdischen Familien aus Niesky im Konrad-Wachsmann-Haus eröffnet. Der Namensgeber galt bis vor kurzem als einzige bekannte Person jüdischer Konfession in dem Ort. Erst durch Lauren Leidermans Recherchen wurden zwei weitere jüdische Familien bekannt. Schüler*innen der 10. Klassen des Friedrich-Schleiermacher-Gymnasiums Niesky haben im vergangenen Schuljahr die Ausstellung über deren Leben erarbeitet.

Am Dienstag, den 23.06.2026 wurden auf Anregung Lauren Leidermanns zudem Stolpersteine für die Familie Michaelis in Zittau verlegt. Durch ein Schulprojekt, das unter Anleitung unseres Netzwerkmitglieds der Hillerschen Villa mit Schüler*innen der Evangelischen Zinzendorf Schulen Herrnhut umgesetzt wurde, entstand eine Broschüre zur Biographie der Familie Michaelis.

Am Mittwochvormittag besuchten ca. 70 Nachfahr*innen den Martinshof in Rothenburg, welcher zu unserem Netzwerkmitglied Diakonie St. Martin gehört. In den Jahren 1941/42 wurden ihre Familienangehörigen und andere Jüdinnen*Juden im Durchgangslager Tormersdorf im Martinshof von den Nationalsozialisten interniert und von dort aus in die Vernichtungslager Auschwitz, Theresienstadt und Majdanek deportiert. Im Anschluss an das gemeinsame Gedenken wurde die Website darumerinnernwir.de vorgestellt. Auf der Website ist unter anderem eine Liste mit 532 Namen von jüdischen Häftlingen in Tormersdorf zu finden, zu welchen weitere biografische Daten gesammelt werden. Des Weiteren wurde die Ausstellung „Die Gesichter von Tormersdorf“ eröffnet, welche durch das Projekt „Jugend erinnert“ in Zusammenarbeit mit Lauren Leiderman entstand. Am Abend wurde im Kulturforum Synagoge Görlitz die Ausstellung „Mishpacha – Jüdisches Leben in Görlitz“ eröffnet. In der von Lauren Leiderman und Dr. Markus Bauer kuratierten Ausstellung werden bisher unveröffentlichte Fotografien und Geschichten aus den Sammlungen der Nachfahren von Görlitz Jüdinnen und Juden gezeigt und bieten persönliche Einblicke in das jüdische Leben im Görlitz der Jahre 1900 – 1933. Am Donnerstag und Freitag der Jewish Remembrance Week wurden an 13 Orten in Görlitz weitere 55 Stolpersteine verlegt.

Die jüdische Gedenkwoche überzeugte durch eine nachhaltige Wirkung nach innen und außen: Für die Zivilgesellschaft vor Ort schafft sie authentische Anknüpfungspunkte für Erinnerungskultur und Bildungsarbeit. Im Außen vernetzt sie Nachfahren weltweit und unterstützt das Erforschen und die Verortung der eigenen biografischen Wurzeln.

Große Anerkennung und Dank gehen insbesondere an die engagierte Arbeit von Lauren Leidermann.