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Der 1. Mai war, ist und bleibt ein Kampftag! Der Preis der Ungleichheit

u.a. Statement der Demokratie AG Ostsachsen zum 1. Mai

Arbeiter*innen, Arbeitslose, Care-Arbeitende aller Länder vereinigt euch – so oder so ähnlich sollte ein Statement zum Ersten Mai beginnen, oder nicht? Wir als Demokratie AG Ostsachsen wollen diesen Anlass nutzen, das Thema Arbeit, auch im Bezug auf unsere Region, unter Aspekten der Gleichstellung zu beleuchten.

Schauen wir uns unseren Landkreis Görlitz an: Wir leben an einem Ort, an dem die Menschen im Schnitt fünf Jahre älter sind als im Rest Deutschlands. Gleichzeitig gibt es hier deutlich weniger Frauen als Männer. Im Vergleich zum restlichen Bundesgebiet fehlen uns etwa 10 % [Q1].

Doch was hat das mit Arbeit zu tun? Dass unsere Gesellschaft altert, ist kein Geheimnis. Es werden immer mehr Menschen, die Rente beziehen, während die Anzahl der Einzahlenden sinkt. Das liegt nicht nur an sinkenden Geburtenraten, sondern vor allem daran, dass viele Menschen wegziehen. Gerade junge gut ausgebildete Frauen* verlassen die ländlichen Regionen [Q2].

Das Leibniz-Institut warnt hier vor einer gefährlichen Dynamik: Ab einem Männerüberschuss von 20 % verändern sich gesellschaftliche Normen und Werte [Q3]. Soziale Spannungen, Radikalisierung und politische Polarisierung nehmen zu. Das sind denkbar schlechte Voraussetzungen, um Menschen, und gerade Frauen*, hier in der Region zu halten. Laut der Soziologin Katja Salomo [Q4] gehen Frauen* nicht nur wegen der schlechten Bezahlung. Oft fehlen schlicht die Bildungs- und Aufstiegschancen. Wer für ein Studium wegzieht, kommt mangels echter Karrierewege kaum zurück. Hinzu kommt ein handfestes Lohnproblem: Gerade hochqualifizierte Frauen* verdienen in Sachsen oft 11 % weniger als ihre männlichen* Kollegen [Q1, Q11].

Die aktuellen konservativ-rechten Tendenzen vor Ort und bundesweit werden das nicht lösen. Die AfD ist gegen die Erhöhung des Mindestlohns [Q5], stellt die Tarifbindung infrage und blockiert Verbesserungen beim Streikrecht (Q6). Ihre Vorstellungen über die Rolle der Frau stammen bestenfalls aus den 50er Jahren [Q7].

Wir appellieren dafür, ein politisches Klima zu schaffen, welches Diskriminierung abbaut und echte Teilhabe ermöglicht! Wir brauchen verlässliche und an Vollzeit-Arbeitsstellen angepasste Kita-Plätze und flexible Arbeitszeiten, die es allen Elternteilen ermöglicht, Familie und Job unter einen Hut zu bekommen. Wir brauchen Arbeitsbedingungen, die insbesondere in sozialen und pflegenden Berufen die Arbeiter*innen nicht ausbrennen, sondern ihren Beitrag für andere Menschen (auch finanziell) wertschätzen. Wir brauchen generell eine Anerkennung von Sorge- und Pflegearbeit. Dies zeigt sich unter anderem durch sogenannte caring masculinities _ Jungen* und Männer*, die sich gegen veraltete Rollenbilder stellen und aktiv in die (familiäre) Pflege- und Carearbeit einbringen.
Wir brauchen eine Infrastruktur, die Mobilität kostengünstig,
barrierefrei, schnell und klimaneutral macht, und das an allen Wohnorten. Und wir brauchen eine ehrliche Auseinandersetzung mit struktureller Diskriminierung (auf dem Arbeitsmarkt). Damit ist nicht nur die Gender Pay Gap gemeint, sondern ein echtes Verständnis für Intersektionalität.

Das klingt theoretisch, aber meint etwas sehr Reales: Diskriminierung hat viele Dimensionen, die sich gegenseitig verstärken. Wer als Frau* arbeitet, macht oft andere Erfahrungen als eine Frau*, die zusätzlich aufgrund von Rassismus, einer Behinderung, Klassismus, Pflege von Angehörigen oder ihrer sexuellen Identität ausgegrenzt wird. Diese Menschen müssen oft über mehrere Hürden gleichzeitig springen. Unsere Forderung ist daher: Wir dürfen nicht nur über eine Gruppe sprechen. Es ist wichtig, jenen zuzuhören, die von verschiedenen Barrieren gleichzeitig betroffen sind, wie etwa Arbeiter*innen mit Migrationsgeschichte oder Kolleg*innen mit Behinderungen. Wir fordern eine Arbeitswelt, die für alle offen ist. Nur wenn wir die Stimmen derer verstärken, die am Rand stehen, schaffen wir eine Gesellschaft, in der sich wirklich jede*r gesehen fühlt.

Zu dieser Infrastruktur gehören neben Arbeitsplätzen, ärztlicher Versorgung und ÖPNV auch Jugendclubs, in denen junge Menschen sie selbst sein dürfen, egal welche Hautfarbe, Herkunft oder welche Geschlechtsidentität sie haben. Kultur fängt bei der Jugend an und reicht bis zu Events wie dem CSD. Welches Licht wirft es auf uns, wenn der CSD nur unter Polizeischutz möglich ist oder Mittel für Demokratiearbeit gekürzt werden [Q8]?

Wichtige Strukturen wie der Jugendring Oberlausitz brechen weg, und um sie wieder aufzubauen, braucht es Zeit, finanzielle Ressourcen und Fachkräfte, die die Region vielleicht schon verlassen haben, weil die Förderungen für Ihre Projekte gekürzt worden sind.

Auch in den Betrieben ist Diskriminierung u.a. wegen der Herkunft oder der sexuellen Orientierung noch immer Alltag. Während über Fachkräftemangel geklagt wird, suchen Menschen, die sich integrieren wollen, oft vergeblich nach einem Platz [Q13]. Qualifizierte und arbeitserfahrene immigrierte Fachkräfte wie beispielsweise Hebammen und Lehrer*innen verlassen die Region, weil die Anerkennung ihrer Qualifikation nach Jahren nicht erfolgt ist und keine flexiblen Lösungen gefunden werden. Wie passt das zusammen? Und wenn die Gen-Z moderne Ansprüche stellt, wird das oft als „empfindlich“ abgetan. Dabei ist das die Chance! Unternehmen, die ihren Leuten zuhören und Teams divers aufstellen sind krisenfester und haben geringere Krankenstände [Q9]. Auch heute berichten Auszubildende von menschenfeindlichen Einstellungen am Arbeitsplatz oder in der Berufsschule. Wenn wir eine Region sein wollen, in der sich Menschen wohlfühlen und (auch auf dem Arbeitsmarkt) einbringen wollen, müssen wir dem entgegen treten. (Q12)

Wir brauchen starke Gewerkschaften, Fürsorge statt Ellenbogen und eine Politik, die Nachhaltigkeit über Profite stellt. Eine Politik, die ausländische Abschlüsse anerkennt, die Menschen mit Behinderungen gerecht entlohnt [Q10] und jede Arbeit wertschätzt, egal ob Büro, Fließband oder die Pflege- und Care-Arbeit zuhause. Solidarisiert euch! Um es mit Rosa Luxemburg zu sagen: Für eine Welt, in der wir sozial gleich, menschlich frei und untereinander verschieden sind.“

Quellen, abgerufen im April 2026:

Quellenverzeichnis

https://www.adb-sachsen.de/de/aktuelles/artikel/gemeinsame-stellungnahme-sachsen-benoetigt-finanzielle-sicherheit-der-gleichstellungs-vielfalts-und-antidiskriminierungsarbeit